Aus dem Archiv: Was verdient ein Künstler an seiner CD?

Wegen der großen Nachfrage:

Bitte beachten: dieser Artikel ist out of Date!

Update: Diese Rechnung stellt einen “Worst Case” dar, und nicht den durchschnittlichen Verdienst! Mehr dazu: http://www.datenreset.de/?p=956.

Wie man mit freier Musik Geld verdienen kann habe ich ja schon gebloggt:
Als Künstler Geld verdienen mit freier/verschenkter Musik

Wie sieht es nun aber mit der anderen Seite aus, was verdient ein Künstler an seiner Musik wenn er sie kommerziell über ein Label produzieren und vertreiben lässt?

diese Frage möchte ich im folgenden möglichst kurz und prägnant beantworten.

1. Wozu ein Label?

Labels dienen nicht nur dafür die produzierte Musik zu vertreiben und zu schützen, sondern auch vorrangig dafür bekannt zu werden. Sie promoten den Künstler, schalten Werbung und kümmern sich um die ganzen “Kleinigkeiten” (wie Tauschbörsen Benutzer abmahnen oder neue “Vermarktungstrategien” zu erfinden)  die so anfallen.
Diesen Service lassen Sie sich allerdings auch fürstlich bezahlen. Sie machen Ihre Arbeit so gut das sie ganze 31% des Verkaufspreises einer CD einstreichen.


2. Die CD muss verkauft werden!

Die Werbung ist geschalten, der Künstler wurde auf MTV in den Himmel gelobt, er hat sogar 1 oder 2 Konzerte gegeben, Alles ist perfekt. Nun muss aber der Rubel rollen!
Und das tut er auch! Zumindest für die, die die Musik an den Mann bringen! Selbige streichen 41% des Verkaufspreises ein, respektive 19% Vertrieb 22% Handel. Die müssen ihren Job auch gut machen bei der Bezahlung! Wer nun ein bisschen mitgerechnet hat wird erkennen das nur noch 28% für den Künstler bleiben… Währe da nicht noch:


3. Vater Staat und seine Steuerwut

Dafür dass der Künstler nämlich in einem freien Land lebt, wo er (mehr oder minder) sagen darf was er will, kassiert der Staat ganze 14% (Diese werden dann in Terrorabwehr, sinnfreie Zensurgesetze investiert oder dienen dazu Leute wie Schäuble und Zensursula durchzufüttern). Man sieht, die 14% sind “gut” investiert und dienen dazu, dass der Künstler auch zukünftig “künstlern” kann! Immerhin ist Vater Staat so gnädig und lässt noch 14% übrig.

4. GEMA

Doch die 13 14 bringt auch kein Glück, zumindest nicht dem Künstler. Dafür reibt sich aber mal wieder ein Anderer die Hände! Unser aller Liebling: die GEMA. Diese verdient nämlich nicht nur mit wenn die CD später in der Disco oder einer Bar abgespielt wird, sondern auch am Verkauf der Selbigen. (Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass man auf “Rohlinge” also leere CD`s eine Gebühr bezahlt?” bzw. auch auf Brenner, DVD Player, Geschirrspüler [Ok für die noch nicht, aber das Brummen ist doch irgendwie auch Musik oder?]) So viel ist ja nicht mehr übrig, und die GEMA fördert ja nach eigener Aussage die Kultur und auch unbekannte Künstler. (In diesem Artikel kann man u.A. nachlesen wie “gut” sie das macht.) Deswegen schneidet sie sich auch “nur” 6% vom Compactdisc-Kuchen ab. Wenn ich mich nicht verrechnet habe bleiben also noch 8% übrig, währen da nicht noch:

5. Die Anderen

…nämlich Produzent und Hersteller. Jene beiden erhalten einer Meinung nach gerechtfertigten, fast schon niedrigen Lohn für Ihre Arbeit. Der Hersteller greift 3% ab und für den Produzenten geht 1% drauf. Zusammen macht das also 4%. Wer jetzt in Mathe 1. Klasse aufgepasst hat weiß das noch 4% übrig bleiben und diese gehen FINALLY an den… TROMMELWIRBEL:

6. Künstler

…eigentlich wollte ich 6. weglassen… Lohnt sich irgendwie eh nicht mehr, aber der Vollständigkeit halber möchte ich es doch erwähnen. Von der produzierten Musik, bzw. vom CD-Verkauf gehen ganze 4% an den Künstler! Na, wenn sich das mal nicht lohnt.

Wer sich nun als Künstler denkt: “AHHH die digitale Welt des Internets wird mir bestimmt größeren Profit bescheren”, der betrachte unten stehende Grafik und lese danach das Fazit.

Fazit:

In Zahlen: an seiner, für beispielsweise 14€, verkauften CD verdient der Künstler ganze 0,56€, für eine für 1€ verkaufte mp3 0.04€. Zusammenfassend kann man sagen, dass scheinbar so ziemlich jeder der am Vertriebsweg beteiligt ist mehr Arbeit in die CD steckt als der Künstler in die Produktion der Musik für die Selbige. Zumindest wenn man nach der Verteilung des Geldes geht. Sicherlich, bei 500.000 verkauften Alben kommt ein “nettes Sümmchen” zusammen (Hinzufügen möchte ich noch das die GEMA einen Teil des von den Konzerten, Festivals, Gaststätten […] eingenommenen Geldes [um nicht zu sagen “geklauten Geldes”] wieder an die Künstler ausschüttet. Allerdings ist dieser Anteil besonders für unbekannte Künstler eher verschwindend gering…). Aber allein der Gedanke wie viele andere sich an meiner Arbeit bereichern würde mir die Lust an der Sache rauben. Hinzu kommt, dass die Labels bzw. die Plattenindustrie sich ihre “Künstler” (welche sie anschließend aussaugen) sehr sehr genau aussuchen. Wer also nicht zu dieser “elitären” Runde zählt hat es schwer… Oder?


Abhilfe:

Das Erfolgsrezept: Gute Musik und eine clevere Geschäftsidee! und Letztere muss nicht mal neu sein! Wie heißt es doch so schön? Gute Ideen sind da um kopiert zu werden.

So auch die von trent reznor (nin): Als Künstler Geld verdienen mit freier/verschenkter Musik

Oder schaut doch einfach mal hier nach:
- 11 Wege um mit Musik Geld zu verdienen
- Von Musik leben können

Das Internet macht es möglich und öffnet ungeahnte Chancen. Das Potential ist noch nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft.

Und solltet ihr trotz Allem nicht den riesen Erfolg haben, bleibt immer noch der edle Gedanke: Macht die Musik weil ihr daran Spaß habt und weil ihr sie liebt.

Patrick

Quellen:
http://www.basicthinking.de/blog/2008/04/09/musiker-und-ihr-gerechter-lohn/
http://www.bpb.de/themen/F0KE7G,0,0,Verteilung_der_Einnahmen_beim_MusikVerkauf.html
http://www.delamar.de/musikbusiness/musikbiz-was-musiker-so-an-einer-cd-verdienen-1926/

Creative Commons License
Was verdient ein Künstler an seiner CD? von Patrick Hofmann steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.



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28 Kommentare zu „Aus dem Archiv: Was verdient ein Künstler an seiner CD?“

  • S0242 sagt:

    Hi Joschi,

    einen tipp gebe ich dir: Es gibt in deutschland den BUT, den verband unabhängiger Tonträgerunternehmen. Die Arbeiten gerade daran, eine neue Statistik zu ertsellen. Ich schätze mal, dass du in wenigen tagen dort anfragen kannst, und von denen auf Anfrage neue Informationen bekommst.

    Auch die BPB will ihre informationen überarbeiten, aber da das eine Bundesbehörde ist, wird das wohl um einiges Länger dauern.

    “Weiterhin bleiben allerdings viele Praktiken der MI für mich fraglich.”

    Das kann ich gut verstehen. aber auch hier muss manchmal differenziert werden. Ein Beispiel:

    http://www.gulli.com/news/iron-maiden-abmahnung-bewusste-2009-08-28/

    Gruß,

    S0242

  • Joschi sagt:

    Vielen Dank für den Link! Mittlerweile hat auch die BPB die Grafik endfernt, schade das man selbst solch seriöse Quellen wieder und wieder überprüfen muss. Ich werde die Angelegenheit in den nächsten Tagen richtig stellen, und hoffe das mal ein reeller Wert zu mir durchdringt. Weiterhin bleiben allerdings viele Praktiken der MI für mich fraglich.

    mfg

  • S0242 sagt:

    Und hier ist nochmal die Bestätigung desselben:

    http://www.gulli.com/news/musikindustrie-wieviel-2009-08-28/

    S0242

  • S0242 sagt:

    “Die Zahlen wurden mir mehrfach bestätigt, auch wenn ich am 21.juli in einem Kommentar schon darauf hingewiesen habe das es mittlerweile bessere Deals gibt.”

    Also, die zahlen, so wie si ind er Statistik stehen, sind mit der schlechteste “Deal”, den du als Künstler bekommen kannst, und sie sind auch eher für ein Modell wie das einer “Deutschland sucht den Superstar – Zappelmaus” angesetzt.

    Musiker, die Self contained Artists sind, also ihre Musik selbst schreiben und Prduzieren, bekommen ERHEBLICH mehr. Und das trifft sowohl für Majors als auch für Independents zu.

    Ich versuche mal eine Statistik dazu zu bekommen, di nicht so irreführend ist, wie die verwendete statistik.

    Gruß,

    Stefan

  • Joschi sagt:

    Hallo S0242,
    das würde mich auch mal interessieren, wäre also für eine Kopie sehr dankbar.
    Kann es aber vielleicht sein das du von eher „kleinen“ Labeln sprichst? Die Zahlen wurden mir mehrfach bestätigt, auch wenn ich am 21.juli in einem Kommentar schon darauf hingewiesen habe das es mittlerweile bessere Deals gibt.
    Bestätigen kann ich dir das die Werte in der Tabelle aus überprüften Quellen stammen. Eine Gegendarstellung währe aber wie schon gesagt sehr interessant
    Wie kann man dich kontaktieren?

    Mit freundlichen Grüßen
    joschi

  • dieter sagt:

    @S0242

    Bitte, würde mich interessieren.

  • S0242 sagt:

    Komisch,
    ich betreibe selbst ein Plattenlabel, und wir bezahlen unseren Küsntlern Lizenzraten zwischen 12 und 26% vom HAP, das sind ca. 7 bis 15% vom CD Preis, und nicht etwa 4. und wie Hands schon richtig sagt, verdienen künstler, die ihre musik selbst schreiben auch noch GEMA, zumal sie auf die einnahmelizenzen noch GVL lizenzen bekommen.

    Wen es interessiert: ich kann euch gerne mal die richtigen Infos geben. diese Tabelle ist nämlich bestenfalls irreführend, wenn nicht gar grundfalsch.

    S0242

  • dieter sagt:

    Nein @mai_il die Rechnung stimmt. Ich kenne nicht den deutschen Markt, aber für den US Markt kommen die im Artikel errechneten Zahlen ungefähr hin. $16 Mio Umsatz = rount about $200.000 brutto für den Musiker oder die Musiker mit Standardvertrag. Schon mal gefragt, warum ein Mr. Clapton so viele Konzerte gibt oder warum Zappa plays Zappa nahezu pleite sind?

  • Ecko sagt:

    Totale Milchmädchenrechnung. Zum einen werden die Steuern auf den Nettverkaufspreis aufgeschlagen und zum anderen kassiert der das Label grade mal 40% aus den CD verkäufen und der GEMA Ausschüttung. Dafür zahlt das Label aber auch die kompletten Produktionskosten aus eigener Tasche.

    Als “kleine Band” ohne Erfolgsgarantie muß man die Aufnahmen zwar selbst bestreiten, Pressung, Druck und GEMA übernimmt aber wieder der Verlag.
    Einziger Wermutstropfen: Solange man nicht mehr von der GEMA zurück bekommen würde als der Jahresbeitrag kostet, lohnt sich die Anmeldung nicht und die daraus resultierenden Einnahmen gehen verloren (Außer dem Verlagsanteil natürlich. Dieser ist ja angemeldet). Aber auch hier ist es die Aufgabe des Verlags darauf zu achten, ab wann sich die Anmeldung lohnt.

  • Joschi sagt:

    1. Frage kann ich mit ja beantworten, habe aber leider die Quelle nicht mehr.

    2. Bin ich mir nicht sicher. Die Steuer müsste aber bei den 14% (respektive 2×7%) mit einberechnet sein.

    Nach weiteren Recherchen bin ich aber zu dem Ergebnis gekommen, dass es mittlerweile auch bessere Deals für die Musiker gibt. Im Durchschnitt macht sich das aber nach meinen bisherigen Erkenntnissen nicht großartig bemerkbar.

  • Max sagt:

    Teilen sich diese 4% bei einer Band noch auf die einzelnen Mitglieder auf? Muss der Künstler von den 4% noch Einkommensteuer bezahlen?

  • Mein Gott sagt:

    Man man leute welcher Künster hat den heute nicht sein eigenes Label selbst die ganz kleinen haben ein eigenes und dann sieht die sachen mit wir bekommen von dem 1€ nur 4 cent schon ganz anders aus

  • Marcel sagt:

    Wo kommen denn die 14% respektive 12% Mwst her? Müssten das nicht 19% (oder evtl. 7%) sein. Oder ist das ein Mittelwert, weil Musik nicht einheitlich besteuert wird?

    Verwirrt…

  • Joschi sagt:

    Hallo ma_il,
    Ich !vermute! das es sich hierbei um einen Durchschnittswert der großen Labels handelt. Nähere Infos auf welche Label sich die Studie bezieht kann ich dir leider zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen.

    mfg

  • ma_il sagt:

    Um welches Label handelt es sich hier denn? Bei uns bekommen die Kuenstler (in den meisten Faellen deutlich) mehr.

    Dass beim Download 25% an das automatisierte Bezahlsystem gehen und die Online-Shops die meisten Labels dazu noetigen, ueber einen Content-Aggregator zu gehen, welcher nochmal einiges einstreicht, ist m.M.n ein viel akuteres Problem, da sich dieses nicht durch Wechsel zu einem anderen Label oder Eigen-Vertrieb loesen laesst.

  • Joschi sagt:

    @ Hans, das ist vollkommen richtig, allerdings werden auch hier oft “Rechenfehler” gemacht, ähnlich wie ich mit den 7% und 8% (danke für den Hinweis an derschreckliche).
    Zudem sollte auch der CD Verkauf beleuchtet werden. Die Zahlen sind schon ein klein wenig älter, besonders beim Onlineverkauf hat sich ja einiges zum Vorteil des Künstlers getan…

    Mit freundlichen Grüßen
    Patrick

  • Hans sagt:

    Stichwort GEMA: wenn Küntsler sein eigenes Material geschrieben hat, bekommt er den GEMA Anteil fast komplett! Und bei den Ausstrahlungen auch. Ist also doch ein wenig mehr! Das nur, um über die richtigen Fakten zu sprechen.

    Aber deswegen können “die Labels” meiner Meinung trotzdem zur Hölle fahren.


  • Wenn ich mich nicht verrechnet habe bleiben also noch 8% übrig, währen da nicht noch:

    Du hast dich leider verrechnet: 13 – 6 = 7
    D.h. es bleiben nur 3% für den Künstler.

    Aber ansonsten ein sehr schöner Artikel, danke hierfür!

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